Moin, würd ich mal sagen.
Ich habe lange nicht geschrieben. Viel zu lange. Auch nicht als es mir dreckig ging. Naja jetzt versuche ich es nochmal.
Seit dem Beginn des Semesters hat sich ein kleines mieses Vieh bei mir eingeschlichen. Zuerst habe ich es toleriert, links liegen gelassen. Ich dachte es würde sich vielleicht jemand anders suchen. Aber es blieb und breitete sich immer weiter in mir aus. Und jetzt wo es sich wohl fühlt, will es auch nicht mehr weg. Ja die Einsamkeit wohnt jetzt mit mir.
Früher habe ich Einsamkeit als etwas schönes empfunden. Als Gegenpol zu täglichen sozialen Interaktionen (die mich übrigens überfordern). Aber mittlerweile ist es ein Dauerzustand geworden.
Ich glaube es begann als meine Mitbewohnerin und beste Freundin in eine Beziehung kam. Ich freute mich für sie und auf der anderen Seite wusste ich, dass mir damit ein Stützgerüst Stück für Stück zusammenbrechen wird. Tja mittlerweile genießt sie ihr Leben, geht feiern, trifft sich mit neuen Leute und hat Spaß.
Währenddessen sitze ich Tag für Tag, Stunde um Stunde hier an meinem Schreibtisch. Ich plane, schreibe, dokumentiere und lerne. Mein Tag besteht aus 8-12 Stunden die ich alleine mit Praktikas und Vorlesungen verbringe. Wenn ich nach Hause komme, geht es weiter. Irgendwann gegen um zehn gehe ich dann schlafen,damit ich am nächsten Tag auch wieder genauso viel leisten kann.
Nur zur Erinnerung: meine Mitbewohnerin genießt ihre Jugend in vollen Zügen.
Ich kann ihr nicht die Schuld dafür geben, dass wir uns voneinander entfernen. Ich bin es ja, die sich Tag für Tag mehr abschottet, weniger spricht und aufhört sich für ihre Geschichten zu interessieren.
Und so muss ich verzweifelt feststellen, dass die Einsamkeit sich nicht mich ausgesucht hat, sondern dass ich ihr Tür und Tor geöffnet habe.
Doch nicht nur von meiner Mitbewohnerin habe ich mich distanziert. Jeden Tag bin ich von genügend Menschen umgeben, die dasselbe Studium durchstehen müssen. Einige davon würde ich sogar vorsichtig meine Freunde nennen. Doch auch unter ihnen fühle ich mich nicht zu Hause. Ich fühle mich nicht, als wäre ich in Gesellschaft, sondern als würde ich schauspielern. Mit einer Maske überm Gesicht zeige ich Emotionen, doch eigentlich interessiert es mich gar nicht. In Wahrheit sprechen sie mit einer Kunstfigur und ich bin faktisch allein.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt könnte man meinen. Doch so ist es nicht. Ich habe das Gefühl, als könnte ich nicht mehr wie ein echter Mensch interagieren. Ich sehne mich nach jemandem, der mir wieder das Gefühl vermitteln kann, dass ich wirklich lebe, dass ich keine Hülle ohne Kern bin...
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